Aller au contenu
Langue:DeutschEnglish Last updated: 2026-09-24

Langzeitarchivierung: Überblick

Anton übernimmt digitale Unterlagen geprüft, bewahrt die Master unverändert, erkennt ihre Formate und hält fest, wie gut sie sich erhalten lassen. Die Speicherung selbst und ihre Redundanz leistet die Betriebsinfrastruktur; bei Installationen mit angebundenem Langzeitarchiv übernimmt dieses die Bitstream-Sicherung. Diese Seite zeigt, wie sich die Aufgaben verteilen, und verweist auf die Detailseiten. Sie beantwortet ausserdem die Frage, welches Artefakt eine Sicherung ist und welches eine Publikationsansicht.

Aufgabenteilung

Die digitale Langzeitarchivierung besteht aus mehreren Schichten. Anton deckt die fachlichen ab, der Betrieb die Speicherung:

Aufgabe Anton Betrieb Angebundenes Langzeitarchiv
Prüfsummen bei der Übernahme prüft jede Datei eines SIP gegen das Paket
Prüfsumme pro Datei berechnet beim Upload MD5 und SHA-512 und legt sie ab
Formaterkennung und Risiko PRONOM-ID, NARA-Bewertung, Preservation Planning stellt Siegfried bzw. Fido bereit
Master und Zugriffskopien bewahrt den Master unverändert, erzeugt web und thumb
Integritätsprüfung bringt media:check, media:snapshot und media:repair mit, protokolliert die Prüfungen legt den Rhythmus als Cronjob fest, richtet die Sicherung für media:repair ein übernimmt die Fixity der Master
Redundante Speicherung Kopien an mehreren Standorten Bitstream-Sicherung
Formatentscheide zeigt Formate mit Handlungsbedarf

Bei Anton as a Service ist k & r der Betrieb. On Premises ist es die betreibende Institution.

Die Kette

Übernahme

Beim SIP-Ingest nach eCH-0160 prüft Anton für jede Datei im Paket die in der metadata.xml deklarierte Prüfsumme nach: Der Hash wird über die tatsächliche Datei neu berechnet und verglichen. Weicht er ab, schlägt die Validierung fehl. Der Algorithmus stammt aus dem Paket selbst, ist also nicht auf MD5 festgelegt. Zusätzlich merkt sich Anton die Prüfsumme des SIP-ZIPs und weist bereits eingespielte Pakete ab.

Speicherung

Für jede Mediendatei berechnet Anton beim Upload eine MD5- und eine SHA-512-Prüfsumme in einem Lesedurchgang und legt beide in der Datenbank ab. SHA-512 ist der Referenzwert für die Integritätsprüfung, wie ihn OCFL und BagIt empfehlen; MD5 bleibt für die Anbindung an DIMAG und für das Erkennen doppelter Importe. Für Medien aus der Zeit vor Version 0.98 rechnet media:checksum SHA-512 nach — und prüft dabei jede Datei gegen ihre MD5. Der Master bleibt unverändert; die Ableitungen (web, thumb) sind Zugriffskopien.

Formaterkennung und Risiko

Beim Upload identifiziert Anton das Format über Siegfried bzw. Fido und hält die PRONOM-ID fest; daraus leitet es die Risikobewertung nach dem NARA Digital Preservation Framework ab. Für Altbestände lässt sich das mit media:identify nachtragen. Ausgewertet wird das im Preservation Planning.

Siegfried oder Fido auf dem Server

Die Erkennung nutzt Siegfried oder Fido, die auf dem Server installiert sind. Fehlt das Programm, gelingt der Upload trotzdem, nur bleibt die Erkennung leer. anton:doctor meldet ein fehlendes sf darum als Fehler. Der Reiter «Nicht identifizierte Medien» zeigt, wie vollständig die Erkennung im Bestand ist.

Formatentscheide

Anton migriert keine Master in Archivformate. Ob eine Datei in ein anderes Format überführt wird, entscheidet das Archiv. Das Preservation Planning liefert dafür die Grundlage: Es zeigt, welche Formate im Bestand liegen, welches Risiko NARA ihnen zuweist und welche Handlung NARA empfiehlt.

Abgabe

Siehe Sicherung oder Publikation? weiter unten.

Integrität prüfen

Zwei Befehle prüfen den Bestand gegen die gespeicherten Prüfsummen:

Befehl Was er tut
media:check --levels=4 Liest jede Datei neu, berechnet die Prüfsumme frisch (SHA-512, wo vorhanden, sonst MD5) und vergleicht sie mit der Datenbank. Mit --log-integrity-check wird jede Prüfung als Ereignis protokolliert — so entsteht eine nachweisbare Historie. Eine fehlende Datei ist ein Befund, die Prüfung läuft weiter.
media:snapshot --oldest=N --git Schreibt die Referenzwerte aller Medien in Listen (SHA-512 und MD5) und committet sie in ein lokales Git-Repository — nachvollziehbar, wann sich ein Referenzwert geändert hat. Prüft im selben Durchgang die N am längsten nicht geprüften Dateien (oder mit --verify alle) und protokolliert jede Prüfung.

Den Rhythmus legt der Betrieb fest

Wie oft die Prüfung läuft, bestimmt ein Cronjob pro Installation. So lässt sich der Rhythmus der Grösse des Bestands anpassen: Ein vollständiger Durchlauf liest jede Datei, und bei mehreren Terabyte will das geplant sein.

Bei Anton as a Service richtet k & r die Prüfung ein (Stand September 2026 für die grossen Archive). On Premises richtet die betreibende Institution den Auftrag selbst ein; die Befehle stehen dafür bereit.

Davon zu unterscheiden ist anton:doctor: Es prüft die Konsistenz der Datenbank — Hierarchie, Signaturen, abgeleitete Felder — und ob die Dateien vorhanden sind. Die Prüfsummen vergleichen die beiden Befehle oben.

Wenn die Prüfung anschlägt

Weicht eine Datei von ihrer Prüfsumme ab, holt media:repair sie aus der lokalen Sicherung zurück: Es geht die Stände vom neuesten zum ältesten durch (täglich, monatlich, jährlich) und nimmt den ersten, dessen Prüfsumme mit dem gespeicherten Referenzwert übereinstimmt. Die beschädigte Fassung wird nicht gelöscht, sondern in eine Quarantäne kopiert; jeder Vorgang steht als Ereignis in der Historie der Datei.

Anton ersetzt eine Datei nur durch eine, deren Inhalt nachweislich dem Original entspricht. Und die Anwendung liest die Sicherung nur, über eine schreibgeschützte Einhängung; ist die Sicherung beschreibbar, verweigert media:repair die Reparatur. Bei vielen Abweichungen auf einmal repariert es nichts und schlägt Alarm, denn dann liegt die Ursache anderswo (Platte, Einhängung, Schadsoftware).

Findet sich lokal kein passender Stand — etwa weil die Datei jünger ist als die Sicherung —, holen wir sie bei Anton as a Service von Hand von einem der externen Backupserver zurück. Die Meldung von media:repair nennt dafür alles Nötige. Mandanten mit DIMAG sind ausgenommen: Dort liegt der Master im Langzeitarchiv.

Einrichtung durch den Betrieb

media:repair braucht eine lokale Sicherung, welche die Mediendateien enthält, für die Anwendung nur lesend eingehängt ist und in der Konfiguration steht (siehe Installation). Wo das nicht eingerichtet ist, meldet der Befehl das und tut nichts.

Redundante Speicherung

Die redundante Speicherung ist Sache der Infrastruktur: Anton schreibt in einen lokalen Speicher und optional in einen Cloud-Speicher, die Kopien darunter legt der Betrieb an. Bei Anton as a Service liegen die Daten in drei Kopien an drei Standorten (gesamthaft sechsfache Redundanz); on Premises verantwortet das die betreibende Institution.

Sicherung oder Publikation?

Die wichtigste Unterscheidung, und die am leichtesten zu verwechselnde:

Artefakt Zweck
Nativer Export (anton:export-native) Sicherung. Verlustfrei und wieder einlesbar: Metadaten in allen Sprachen, Ereignisse, Textfelder — auch private —, Normdaten-Bezüge über UUID und die Master-Medien.
SQL-Dump Sicherung. Das einzige Artefakt mit Benutzern, Einstellungen, Formularen und der Datei-Provenienz (PRONOM/NARA-Historie). Enthält keine Mediendateien.
DIP (BagIt) und OCFL Abgabepakete. Medien und Metadaten gebündelt, mit Prüfsummen im Manifest.
RDF/CIDOC, EAD, TEI, Memobase Publikationsansichten. Gefiltert und verlustbehaftet — aus ihnen lässt sich Anton nicht wiederherstellen.
A+ Bundle mit --include-protected --include-originals Migrationspaket. Graph inklusive gesperrter Daten plus Originaldateien — für den Weg in ein anderes System. Kein Restore-Werkzeug nach Anton, und wegen der enthaltenen Personendaten nicht öffentlich zu hosten.

Ein RDF- oder EAD-Export ist kein Backup

Diese Formate sind für Recherche und Austausch gebaut. Ihnen fehlen unter anderem die UUIDs und die Rohwerte; im Standardfall sind private Inhalte herausgefiltert. Für eine Sicherung braucht es den nativen Export und den SQL-Dump.

Das gilt auch dann, wenn mit --include-protected --include-originals exportiert wird: dieses Paket ist als Migrationsweg hinaus gedacht. Ein Rückweg wäre mit Aufwand konstruierbar, ein Werkzeug dafür gibt es nicht.

Die Provenienz einer Datei (Formaterkennung, NARA-Bewertung, Integritätsprüfungen) führt Anton in der Datenbank; sie reist deshalb mit dem SQL-Dump. DIP und OCFL sichern die Dateien über die Prüfsummen im Manifest und geben diese Provenienz nicht als PREMIS oder METS aus.

Welche Daten jedes Format im Einzelnen mitnimmt, welche nur im SQL-Dump stehen und wer welches Artefakt auslösen kann, zeigt die Export-Matrix. Kurz: Der SQL-Dump und die Standard-Exporte gehen über die Oberfläche, der native Round-Trip und das Migrationspaket nur über die CLI.

Für die statische Publikation eines Bestandes als eigenständige Website gibt es ein eigenes Bundle.

Mit angebundenem Langzeitarchiv

Bei Installationen mit DIMAG-Anbindung übergibt Anton jede Mediendatei beim Upload über die Middleware Inge an DIMAG und führt Buch, ob die Übergabe verifiziert ist — siehe Upload-Status. Danach liegt die Bitstream-Sicherung des Masters bei DIMAG.

Die Fixity liegt dann bei DIMAG

Auf diesen Installationen prüft das Langzeitarchiv die Master. media:check überspringt sie deshalb mit dem Hinweis, dass die Dateien in DIMAG liegen. Auf Wunsch löscht Anton nach verifizierter Übergabe die lokale Kopie.