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Langzeitarchivierung: Überblick

Anton deckt Teile der digitalen Langzeitarchivierung ab und überlässt andere bewusst der Infrastruktur oder einem angebundenen Langzeitarchiv. Diese Seite ordnet ein, was wo passiert, und verweist auf die Detailseiten. Sie beantwortet vor allem die Frage, welches Artefakt eine Sicherung ist und welches eine Publikationsansicht.

Die Kette

Übernahme

Beim SIP-Ingest nach eCH-0160 prüft Anton für jede Datei im Paket die in der metadata.xml deklarierte Prüfsumme nach: Der Hash wird über die tatsächliche Datei neu berechnet und verglichen. Weicht er ab, schlägt die Validierung fehl. Der Algorithmus stammt aus dem Paket selbst, ist also nicht auf MD5 festgelegt. Zusätzlich merkt sich Anton die Prüfsumme des SIP-ZIPs und weist bereits eingespielte Pakete ab.

Speicherung

Für jede Mediendatei berechnet Anton beim Upload eine MD5-Prüfsumme und legt sie in der Datenbank ab. Der Master bleibt unverändert; die Ableitungen (web, thumb) sind Zugriffskopien.

Formaterkennung und Risiko

Beim Upload identifiziert Anton das Format über Siegfried bzw. Fido und hält die PRONOM-ID fest; daraus leitet es die Risikobewertung nach dem NARA Digital Preservation Framework ab. Für Altbestände lässt sich das mit media:identify nachtragen. Ausgewertet wird das im Preservation Planning.

Abhängig vom Server

Die Erkennung setzt voraus, dass Siegfried oder Fido auf dem Server installiert sind. Fehlen beide, bleibt die PRONOM-ID leer — und ohne sie gibt es auch keine Risikobewertung. Der Reiter «Nicht identifizierte Medien» zeigt, wie vollständig die Erkennung ist.

Abgabe

Siehe Sicherung oder Publikation? weiter unten.

Integrität prüfen

Anton bringt die Werkzeuge mit, führt sie aber nicht von sich aus aus:

Befehl Was er tut
media:check --levels=4 Liest jede Datei neu, berechnet die MD5 frisch und vergleicht sie mit der Datenbank. Mit --log-integrity-check wird jede Prüfung als Ereignis protokolliert — so entsteht eine nachweisbare Historie.
media:snapshot --verify --git Schreibt einen Prüfsummen-Schnappschuss aller Medien, vergleicht ihn gegen die Datenbank und committet Änderungen in ein lokales Git-Repository. Damit ist nachvollziehbar, was sich zwischen zwei Läufen verändert hat.

Einzurichten, nicht eingebaut

Anton führt keine wiederkehrende Integritätsprüfung von selbst aus — es gibt keinen eingebauten Zeitplan. Die Prüfung wird pro Installation als Cronjob eingerichtet.

Bei Anton as a Service ist das zurzeit für die grossen Archive eingerichtet; für weitere Installationen auf unseren Servern ist k & r zuständig. On Premises richtet die betreibende Institution den Auftrag selbst ein — die Befehle stehen dafür bereit, ein automatischer Lauf entsteht daraus aber nicht von allein.

Davon zu unterscheiden ist anton:doctor: Es prüft die Konsistenz der Datenbank — Hierarchie, Signaturen, abgeleitete Felder — und ob die Dateien vorhanden sind. Prüfsummen vergleicht es nicht.

Sicherung oder Publikation?

Die wichtigste Unterscheidung, und die am leichtesten zu verwechselnde:

Artefakt Zweck
Nativer Export (anton:export-native) Sicherung. Verlustfrei und wieder einlesbar: Metadaten in allen Sprachen, Ereignisse, Textfelder — auch private —, Normdaten-Bezüge über UUID und die Master-Medien.
SQL-Dump Sicherung. Das einzige Artefakt mit Benutzern, Einstellungen, Formularen und der Datei-Provenienz (PRONOM/NARA-Historie). Enthält keine Mediendateien.
DIP (BagIt) und OCFL Abgabepakete. Medien und Metadaten gebündelt, mit Prüfsummen im Manifest.
RDF/CIDOC, EAD, TEI, Memobase Publikationsansichten. Gefiltert und verlustbehaftet — aus ihnen lässt sich Anton nicht wiederherstellen.

Ein RDF- oder EAD-Export ist kein Backup

Diese Formate sind für Recherche und Austausch gebaut. Ihnen fehlen unter anderem die UUIDs, die Rohwerte und die Schutzfristen; private Inhalte sind herausgefiltert. Für eine Sicherung braucht es den nativen Export und den SQL-Dump.

Welche Daten jedes Format im Einzelnen mitnimmt und welche nur im SQL-Dump stehen, zeigt die Export-Matrix.

Für die statische Publikation eines Bestandes als eigenständige Website gibt es ein eigenes Bundle.

Was Anton nicht tut

Damit keine falschen Erwartungen entstehen:

  • Keine Formatmigration. Anton erzeugt Zugriffskopien, aber normalisiert nicht in Archivformate — kein TIFF nach JPEG2000, kein PDF/A, keine Video-Normalisierung. Das Preservation Planning weist auf Handlungsbedarf hin, handelt aber nicht.
  • Kein PREMIS, kein METS.
  • Keine Speicherredundanz. Die redundante Speicherung leistet die Betriebsinfrastruktur, nicht die Anwendung. Anton selbst sieht einen lokalen Speicher und optional einen Cloud-Speicher und kann die Redundanz weder anzeigen noch überwachen. Bei Anton as a Service liegen die Daten in drei Kopien an drei Standorten (gesamthaft sechsfache Redundanz); on Premises verantwortet das die betreibende Institution selbst.

Mit angebundenem Langzeitarchiv

Bei Installationen mit DIMAG-Anbindung übergibt Anton jede Mediendatei beim Upload über die Middleware Inge an DIMAG und führt Buch, ob die Übergabe verifiziert ist — siehe Upload-Status. Danach liegt die Bitstream-Sicherung des Masters bei DIMAG.

Anton prüft dann nicht mehr selbst

Auf diesen Installationen überspringt media:check die Integritätsprüfung der Master mit dem Hinweis, dass die Dateien in DIMAG liegen. Die Fixity verantwortet dort das Langzeitarchiv. Auf Wunsch löscht Anton nach verifizierter Übergabe die lokale Kopie.