Langzeitarchivierung: Überblick¶
Anton übernimmt digitale Unterlagen geprüft, bewahrt die Master unverändert, erkennt ihre Formate und hält fest, wie gut sie sich erhalten lassen. Die Speicherung selbst und ihre Redundanz leistet die Betriebsinfrastruktur; bei Installationen mit angebundenem Langzeitarchiv übernimmt dieses die Bitstream-Sicherung. Diese Seite zeigt, wie sich die Aufgaben verteilen, und verweist auf die Detailseiten. Sie beantwortet ausserdem die Frage, welches Artefakt eine Sicherung ist und welches eine Publikationsansicht.
Aufgabenteilung¶
Die digitale Langzeitarchivierung besteht aus mehreren Schichten. Anton deckt die fachlichen ab, der Betrieb die Speicherung:
| Aufgabe | Anton | Betrieb | Angebundenes Langzeitarchiv |
|---|---|---|---|
| Prüfsummen bei der Übernahme | prüft jede Datei eines SIP gegen das Paket | ||
| Prüfsumme pro Datei | berechnet beim Upload MD5 und SHA-512 und legt sie ab | ||
| Formaterkennung und Risiko | PRONOM-ID, NARA-Bewertung, Preservation Planning | stellt Siegfried bzw. Fido bereit | |
| Master und Zugriffskopien | bewahrt den Master unverändert, erzeugt web und thumb |
||
| Integritätsprüfung | bringt media:check, media:snapshot und media:repair mit, protokolliert die Prüfungen |
legt den Rhythmus als Cronjob fest, richtet die Sicherung für media:repair ein |
übernimmt die Fixity der Master |
| Redundante Speicherung | Kopien an mehreren Standorten | Bitstream-Sicherung | |
| Formatentscheide | zeigt Formate mit Handlungsbedarf |
Bei Anton as a Service ist k & r der Betrieb. On Premises ist es die betreibende Institution.
Die Kette¶
Übernahme¶
Beim SIP-Ingest nach eCH-0160 prüft Anton für jede Datei im
Paket die in der metadata.xml deklarierte Prüfsumme nach: Der Hash wird über
die tatsächliche Datei neu berechnet und verglichen. Weicht er ab, schlägt die
Validierung fehl. Der Algorithmus stammt aus dem Paket selbst, ist also nicht auf
MD5 festgelegt. Zusätzlich merkt sich Anton die Prüfsumme des SIP-ZIPs und weist
bereits eingespielte Pakete ab.
Speicherung¶
Für jede Mediendatei berechnet Anton beim Upload eine MD5- und eine
SHA-512-Prüfsumme in einem Lesedurchgang und legt beide in der Datenbank ab.
SHA-512 ist der Referenzwert für die Integritätsprüfung, wie ihn OCFL und BagIt
empfehlen; MD5 bleibt für die Anbindung an DIMAG und für das Erkennen doppelter
Importe. Für Medien aus der Zeit vor Version 0.98 rechnet
media:checksum SHA-512 nach — und prüft
dabei jede Datei gegen ihre MD5. Der Master bleibt unverändert; die
Ableitungen (web, thumb) sind Zugriffskopien.
Formaterkennung und Risiko¶
Beim Upload identifiziert Anton das Format über Siegfried bzw. Fido und
hält die PRONOM-ID fest; daraus leitet es die Risikobewertung nach dem
NARA Digital Preservation Framework ab. Für Altbestände lässt sich das mit
media:identify nachtragen. Ausgewertet wird das im
Preservation Planning.
Siegfried oder Fido auf dem Server
Die Erkennung nutzt Siegfried oder Fido, die auf dem Server installiert
sind. Fehlt das Programm, gelingt der Upload trotzdem, nur bleibt die
Erkennung leer. anton:doctor meldet ein fehlendes sf darum
als Fehler. Der Reiter «Nicht identifizierte Medien» zeigt, wie vollständig
die Erkennung im Bestand ist.
Formatentscheide¶
Anton migriert keine Master in Archivformate. Ob eine Datei in ein anderes Format überführt wird, entscheidet das Archiv. Das Preservation Planning liefert dafür die Grundlage: Es zeigt, welche Formate im Bestand liegen, welches Risiko NARA ihnen zuweist und welche Handlung NARA empfiehlt.
Abgabe¶
Siehe Sicherung oder Publikation? weiter unten.
Integrität prüfen¶
Zwei Befehle prüfen den Bestand gegen die gespeicherten Prüfsummen:
| Befehl | Was er tut |
|---|---|
media:check --levels=4 |
Liest jede Datei neu, berechnet die Prüfsumme frisch (SHA-512, wo vorhanden, sonst MD5) und vergleicht sie mit der Datenbank. Mit --log-integrity-check wird jede Prüfung als Ereignis protokolliert — so entsteht eine nachweisbare Historie. Eine fehlende Datei ist ein Befund, die Prüfung läuft weiter. |
media:snapshot --oldest=N --git |
Schreibt die Referenzwerte aller Medien in Listen (SHA-512 und MD5) und committet sie in ein lokales Git-Repository — nachvollziehbar, wann sich ein Referenzwert geändert hat. Prüft im selben Durchgang die N am längsten nicht geprüften Dateien (oder mit --verify alle) und protokolliert jede Prüfung. |
Den Rhythmus legt der Betrieb fest
Wie oft die Prüfung läuft, bestimmt ein Cronjob pro Installation. So lässt sich der Rhythmus der Grösse des Bestands anpassen: Ein vollständiger Durchlauf liest jede Datei, und bei mehreren Terabyte will das geplant sein.
Bei Anton as a Service richtet k & r die Prüfung ein (Stand September 2026 für die grossen Archive). On Premises richtet die betreibende Institution den Auftrag selbst ein; die Befehle stehen dafür bereit.
Davon zu unterscheiden ist anton:doctor: Es prüft die
Konsistenz der Datenbank — Hierarchie, Signaturen, abgeleitete Felder — und
ob die Dateien vorhanden sind. Die Prüfsummen vergleichen die beiden Befehle oben.
Wenn die Prüfung anschlägt¶
Weicht eine Datei von ihrer Prüfsumme ab, holt
media:repair sie aus der lokalen Sicherung
zurück: Es geht die Stände vom neuesten zum ältesten durch (täglich, monatlich,
jährlich) und nimmt den ersten, dessen Prüfsumme mit dem gespeicherten
Referenzwert übereinstimmt. Die beschädigte Fassung wird nicht gelöscht, sondern
in eine Quarantäne kopiert; jeder Vorgang steht als Ereignis in der Historie der
Datei.
Anton ersetzt eine Datei nur durch eine, deren Inhalt nachweislich dem Original
entspricht. Und die Anwendung liest die Sicherung nur, über eine schreibgeschützte
Einhängung; ist die Sicherung beschreibbar, verweigert media:repair die
Reparatur. Bei vielen Abweichungen
auf einmal repariert es nichts und schlägt Alarm, denn dann liegt die Ursache
anderswo (Platte, Einhängung, Schadsoftware).
Findet sich lokal kein passender Stand — etwa weil die Datei jünger ist als die
Sicherung —, holen wir sie bei Anton as a Service von Hand von einem der
externen Backupserver zurück. Die Meldung von media:repair nennt dafür alles
Nötige. Mandanten mit DIMAG sind ausgenommen: Dort liegt der Master im
Langzeitarchiv.
Einrichtung durch den Betrieb
media:repair braucht eine lokale Sicherung, welche die Mediendateien
enthält, für die Anwendung nur lesend eingehängt ist und in der Konfiguration steht
(siehe Installation).
Wo das nicht eingerichtet ist, meldet der Befehl das und tut nichts.
Redundante Speicherung¶
Die redundante Speicherung ist Sache der Infrastruktur: Anton schreibt in einen lokalen Speicher und optional in einen Cloud-Speicher, die Kopien darunter legt der Betrieb an. Bei Anton as a Service liegen die Daten in drei Kopien an drei Standorten (gesamthaft sechsfache Redundanz); on Premises verantwortet das die betreibende Institution.
Sicherung oder Publikation?¶
Die wichtigste Unterscheidung, und die am leichtesten zu verwechselnde:
| Artefakt | Zweck |
|---|---|
Nativer Export (anton:export-native) |
Sicherung. Verlustfrei und wieder einlesbar: Metadaten in allen Sprachen, Ereignisse, Textfelder — auch private —, Normdaten-Bezüge über UUID und die Master-Medien. |
| SQL-Dump | Sicherung. Das einzige Artefakt mit Benutzern, Einstellungen, Formularen und der Datei-Provenienz (PRONOM/NARA-Historie). Enthält keine Mediendateien. |
| DIP (BagIt) und OCFL | Abgabepakete. Medien und Metadaten gebündelt, mit Prüfsummen im Manifest. |
| RDF/CIDOC, EAD, TEI, Memobase | Publikationsansichten. Gefiltert und verlustbehaftet — aus ihnen lässt sich Anton nicht wiederherstellen. |
A+ Bundle mit --include-protected --include-originals |
Migrationspaket. Graph inklusive gesperrter Daten plus Originaldateien — für den Weg in ein anderes System. Kein Restore-Werkzeug nach Anton, und wegen der enthaltenen Personendaten nicht öffentlich zu hosten. |
Ein RDF- oder EAD-Export ist kein Backup
Diese Formate sind für Recherche und Austausch gebaut. Ihnen fehlen unter anderem die UUIDs und die Rohwerte; im Standardfall sind private Inhalte herausgefiltert. Für eine Sicherung braucht es den nativen Export und den SQL-Dump.
Das gilt auch dann, wenn mit --include-protected --include-originals
exportiert wird: dieses Paket ist als Migrationsweg hinaus gedacht. Ein
Rückweg wäre mit Aufwand konstruierbar, ein Werkzeug dafür gibt es nicht.
Die Provenienz einer Datei (Formaterkennung, NARA-Bewertung, Integritätsprüfungen) führt Anton in der Datenbank; sie reist deshalb mit dem SQL-Dump. DIP und OCFL sichern die Dateien über die Prüfsummen im Manifest und geben diese Provenienz nicht als PREMIS oder METS aus.
Welche Daten jedes Format im Einzelnen mitnimmt, welche nur im SQL-Dump stehen und wer welches Artefakt auslösen kann, zeigt die Export-Matrix. Kurz: Der SQL-Dump und die Standard-Exporte gehen über die Oberfläche, der native Round-Trip und das Migrationspaket nur über die CLI.
Für die statische Publikation eines Bestandes als eigenständige Website gibt es ein eigenes Bundle.
Mit angebundenem Langzeitarchiv¶
Bei Installationen mit DIMAG-Anbindung übergibt Anton jede Mediendatei beim Upload über die Middleware Inge an DIMAG und führt Buch, ob die Übergabe verifiziert ist — siehe Upload-Status. Danach liegt die Bitstream-Sicherung des Masters bei DIMAG.
Die Fixity liegt dann bei DIMAG
Auf diesen Installationen prüft das Langzeitarchiv die Master. media:check
überspringt sie deshalb mit dem Hinweis, dass die Dateien in DIMAG liegen.
Auf Wunsch löscht Anton nach verifizierter Übergabe die lokale Kopie.