Zum Inhalt
Sprache:DeutschEnglish Last updated: 2026-10-23

Bilder: Formate und wesentliche Eigenschaften

Diese Seite legt für Rasterbilder fest, in welchen Formaten Anton sie bevorzugt und akzeptiert, welche Eigenschaften eines Bildes erhalten bleiben müssen und was Anton davon heute misst oder prüft. Sie ist die erste Seite einer Reihe je Formatkategorie (anton#687); Es folgen PDF, Text, Audio und Video sowie Tabellen und Präsentationen. Vektorgrafiken gehören nicht hierher.

Was hier steht, braucht Anton für drei Dinge: um zu dokumentieren, was ein Bild ausmacht (NDSA Cn-1.1), um zu prüfen, ob es das noch tut (Cn-2.1), und um nach einer Migration zu belegen, dass nichts Wesentliches verloren ging (media:migrate).

Formate

Stufe Format Bedingung
bevorzugt TIFF mit Deflate (ZIP) und Predictor 2 Graustufen und Farbe, 8 oder 16 Bit je Kanal
akzeptiert TIFF in anderer Form unkomprimiert, LZW, CCITT G4 (bitonal), JPEG-komprimiert, BigTIFF, mehrseitig
akzeptiert JPEG
akzeptiert PNG
akzeptiert JPEG 2000 (JP2)
akzeptiert HEIC/HEIF bleibt Master, Nutzungskopie JPEG
akzeptiert GIF, BMP, WebP
akzeptiert DNG
akzeptiert Kamera-RAW (CR2, CR3, NEF, ARW und andere) solange LibRaw sie liest
akzeptiert PDF/A wenn es nur Bilder enthält, etwa Scans ohne Textschicht oder mit OCR-Schicht
akzeptiert PDF wenn es ausschliesslich Fotos enthält

Bevorzugt heisst: Das empfiehlt Anton Ablieferstellen, und dahin packt die Regel tiff_zip unkomprimierte TIFF und LZW ohne Predictor verlustfrei um. Deflate mit Predictor 2 spart gegenüber unkomprimiert 38–66 %, ohne dass sich ein Pixel ändert, und libtiff, ImageMagick, GIMP und Photoshop lesen es. Es gehört aber nicht zum Baseline-TIFF; die KOST empfiehlt Baseline mit LZW oder CCITT. Bitonale Bilder bleiben besser bei CCITT G4, das sie stärker verdichtet; tiff_zip lässt sie darum aus.

Akzeptiert ist, was sich mit verbreiteten, quelloffenen Werkzeugen lesen lässt und voraussichtlich lesbar bleibt. Anton übernimmt die Datei und behält sie in ihrem Format. Nach den Formatentscheiden migriert Anton erst, wenn sich eine Datei nicht mehr darstellen lässt. Bereits verlustbehaftet komprimierte Bilder (JPEG, JPEG-komprimiertes TIFF, verlustbehaftetes JP2) werden nicht in ein verlustfreies Format umgewandelt: Die verlorene Information kommt nicht zurück, die Datei würde nur grösser (so auch die KOST).

Grundsätzlich empfehlen wir, in einem Archiv möglichst wenige verschiedene Formate zu führen, damit das Preservation Planning auf lange Sicht einfach bleibt: Jedes Format will beobachtet, geprüft und irgendwann vielleicht migriert werden (so auch die KOST). Die Liste der akzeptierten Formate sagt, was Anton erhalten kann, nicht, was ein Archiv sammeln soll. Wo ein Bestand viele Formate mitbringt, wird darum möglichst vor der Übernahme normalisiert: durch die Ablieferstelle oder mit den Regeln für Dateien, die Anton anwendet, bevor die Datei zum Master wird. Ausgenommen sind verlustbehaftete Bilder (siehe oben).

PDF steht hier, weil manche Bildbestände als PDF ankommen. Sobald ein PDF Text, Formulare oder Links trägt, gilt die Seite für PDF.

HEIC/HEIF, wie es Mobiltelefone liefern, bleibt als Master, wie es ist; Anton rechnet nur die Nutzungskopie in JPEG um. So empfiehlt es die NARA, solange sich die Datei gut darstellen lässt. HEIF ist ein offener ISO-Standard (ISO/IEC 23008-12), freie Werkzeuge (libheif, libde265) lesen es; der Haken ist die Kompression HEVC mit ihren Patentpools, weshalb Windows, Photoshop und manche Browser HEIC nicht ohne Weiteres öffnen. HEIC ist kleiner als ein JPEG daraus, und jede Umwandlung verliert, was neben dem Hauptbild in der Datei steckt (Tiefenkarte, HDR-Gain-Map). Bei der Übernahme lässt sich HEIC nach JPEG umwandeln, für Archive, bei denen Speicher teuer ist und die Datei überall aufgehen soll, mit einer zweiten verlustbehafteten Kodierung; das bietet heute der QR-Upload an (heic2jpg, voreingestellt aus). Das HEIC bleibt dabei als Version des Mediums erhalten, und die Umwandlung steht als Ereignis mit Werkzeug, Befehl und Prüfsummen im Protokoll. Nach TIFF lässt sich jederzeit später umwandeln, ohne weiteren Verlust, aber etwa zehnmal grösser, mit media:migrate. Die Regel dafür, und ebenso eine je Archiv wählbare Umwandlung nach TIFF oder JPEG bei der Übernahme, entsteht erst, wenn ein Archiv sie braucht (entschieden in anton#710).

GIF, BMP und WebP lesen alle gängigen Werkzeuge und Browser. Die NARA rät bei BMP zur Umwandlung; nach dem Grundsatz oben bleibt es, bis sich das ändert. DNG ist eine offene Spezifikation von Adobe auf TIFF-Basis; die NARA stuft es als geringes Risiko ein, die KOST hält es für die Langzeitarchivierung nicht für geeignet. Kamera-RAW ist je Hersteller und Modell eigen und nicht offengelegt; quelloffen liest es LibRaw, das dafür seit vielen Jahren gepflegt wird. Die NARA rät zur Umwandlung, und wer kann, liefert besser DNG oder TIFF ab. Anton erkennt Kamera-RAW an der Endung, weil die Werkzeuge NEF, ARW und DNG für TIFF halten, und rechnet die Nutzungskopie über LibRaw aus dem ganzen Bild, nicht aus dem eingebetteten Vorschaubild. Der Upload nimmt DNG und Kamera-RAW mit ihrer Endung an; der QR-Upload begrenzt Dateien auf 10 MB, grössere wie ProRAW-DNG vom iPhone (25–75 MB) gehen über den gewöhnlichen Upload.

Ein TIFF aus RAW verliert etwas: RAW enthält die Sensordaten, und erst bei der Entwicklung werden Weissabgleich, Belichtung und Tonkurve festgelegt. Ein TIFF hält eine dieser Entwicklungen fest, und der Rest der Sensordaten fehlt danach. Was davon erhalten bleiben muss, hängt davon ab, was das Archiv erhalten will:

  • Das fertige Bild: Dann genügt das entwickelte TIFF als Master.
  • Das Material, mit allen Möglichkeiten der späteren Bearbeitung: Dann muss RAW oder DNG bleiben, etwa bei einem Fotografennachlass.

Wesentliche Eigenschaften

Gegliedert wie bei der NARA in Erscheinung, Struktur, Verhalten und Kontext. Die Spalte «Quelle» nennt, wer die Eigenschaft für wesentlich hält; die Quellen stehen unten.

Gruppe Eigenschaft Quelle
Erscheinung Breite und Höhe in Pixeln, damit das Seitenverhältnis InSPECT, NARA
Bittiefe und Zahl der Kanäle, einschliesslich Alphakanal InSPECT, NARA
Farbraum und ICC-Profil NARA, LoC
Ausrichtung (EXIF Orientation) NARA
Pixelinhalt, wo das Format verlustfrei ist Anton
Struktur Auflösung in dpi (bei Scans der Massstab zum Original) InSPECT, NARA
Seitenzahl bei mehrseitigem TIFF LoC, KOST
Kompression: festhalten, nicht erhalten NARA, KOST
Verhalten Das Bild lässt sich darstellen. NARA
bei GIF und WebP die Animation LoC
Kontext eingebettete Metadaten (EXIF, IPTC, XMP), etwa Aufnahmedatum, Urheber:in, Rechte NARA

Der Farbraum zählt hier, anders als bei InSPECT. InSPECT hielt ihn nicht für wesentlich, weil er sich bei fast jeder Migration ändert. Bei Scans von Fotos, Plakaten und Karten ist die Farbe aber Inhalt, und Anton migriert ohnehin nur bei Bedarf. Ändert eine Migration den Farbraum, muss sie das ICC-Profil mitführen.

Die Kompression ist keine Eigenschaft, die erhalten bleiben muss. Sie wird festgehalten, weil sie sagt, ob die anderen Eigenschaften verlustfrei vorliegen.

Kein wesentliches Verhalten sind Ebenen, Bearbeitungsschritte und Vorschaubilder im TIFF: Sie gehören zur Software, mit der das Bild entstand, nicht zum Bild.

Was Anton misst und prüft

Stand: Version 0.111.1.

Eigenschaft Gemessen Geprüft
Breite und Höhe TIFF bei der Übernahme mit exiftool, wenn tiff_zip eingeschaltet ist über die Pixelsignatur nach tiff_zip und media:migrate
Bittiefe und Kanäle ebenso ebenso
Farbraum und ICC-Profil ebenso (Name des Profils) nein
Ausrichtung nein nein
Pixelinhalt Pixelsignatur je Seite mit ImageMagick, nur bei tiff_zip und media:migrate ja, muss gleich bleiben, sonst bleibt die gelieferte Datei
Auflösung nein nein
Seitenzahl TIFF mit exiftool, wie oben, Vorschaubilder getrennt über die Pixelsignatur je Seite
Kompression TIFF mit exiftool, wie oben –
Darstellbar – bei der Übernahme und nachts mit media:validate-formats: TIFF mit tiffinfo (gründlich: -D); JPEG, PNG, JP2, GIF, BMP, WebP, HEIC/HEIF, DNG und Kamera-RAW mit ImageMagick, das jedes Pixel dekodiert, nicht nur den Kopf liest; dazu beim Erstellen der Nutzungskopie
Eingebettete Metadaten nein tiff_zip überträgt sie mit exiftool, vergleicht sie aber nicht

Gemessene Werte stehen am Medium unter Technische Merkmale und im Probelauf vor einem Tabellen-Import.

Grenzen

  • Für JPEG, PNG, JP2, HEIC, GIF, BMP, WebP, DNG und Kamera-RAW hält Anton keine Merkmale fest, nur PUID, MIME-Typ und Grösse. Ebenso für TIFF aus SIPs und für TIFF in Archiven, die tiff_zip nicht eingeschaltet haben.
  • Ausrichtung und Auflösung misst Anton bei keinem Format.
  • Eingebettete Metadaten werden bei tiff_zip übertragen, aber nicht verglichen. Ob nach einer Migration alle Felder noch da sind, belegt nichts.
  • Ob ein PDF ausschliesslich Fotos enthält, prüft Anton nicht.
  • HEIC bleibt Master. Bei der Übernahme wandelt Anton es nicht nach TIFF oder JPEG, ausser mit heic2jpg im QR-Upload (entschieden in anton#710).
  • Der QR-Upload nimmt Dateien bis 10 MB an; grössere RAW- und DNG-Dateien gehen über den gewöhnlichen Upload.
  • Die Prüfung «darstellbar» heisst, das Werkzeug liest die Datei ohne Fehler. Ob die Farben stimmen, prüft sie nicht.

Was eine Migration prüfen muss

Wandelt media:migrate ein Bild um, muss danach gelten:

  • Breite, Höhe, Seitenzahl, Bittiefe und Kanäle sind gleich.
  • Bei verlustfreiem Ziel ist die Pixelsignatur jeder Seite gleich.
  • Das ICC-Profil ist mitgeführt, oder die Umrechnung ist im Ereignis festgehalten.
  • Die eingebetteten Metadaten sind übertragen.
  • Die gelieferte Datei bleibt als Original, wenn das Ziel verlustbehaftet ist.

Heute prüft media:migrate nur die Pixelsignatur. Bei verlustfreiem Ziel deckt sie den ersten und den zweiten Punkt ab, die übrigen nicht.

Quellen