KI-Assistenten anbinden (MCP)¶
Ein KI-Assistent wie Claude oder ChatGPT kann direkt im öffentlichen Katalog eines Archivs recherchieren: Bestände überblicken, suchen, Datensätze lesen, im Bestandsbaum navigieren und aus den Volltexten der Digitalisate zitieren. Die Verbindung läuft über das Model Context Protocol (MCP), einen offenen Standard, den die gängigen Assistenten unterstützen.
Der Assistent antwortet dann nicht mehr aus dem, was er beim Training aufgeschnappt hat, sondern aus dem Katalog — mit Signatur und Link zu jedem Datensatz, auf den er sich stützt.
Nur wo das Archiv es eingeschaltet hat
Die Schnittstelle ist pro Archiv freizuschalten und steht nur Archiven mit öffentlichem Katalog zur Verfügung. Antwortet die Adresse mit «Not Found», ist sie dort nicht in Betrieb.
Was der Assistent sieht¶
Genau das, was ohne Anmeldung auch im Browser sichtbar ist: Verzeichnungen im Status «Final», die nicht gesperrt sind. Die Dokumente und ihr Volltext nur, wenn die Schutzfrist abgelaufen ist. Private Akteur:innen, interne Textfelder und gesperrte Medien bleiben aussen vor.
Eine Anmeldung gibt es nicht und braucht es nicht — auch wer bei Anton ein Konto hat, sieht über die Schnittstelle nur die öffentliche Sicht.
Was der Assistent liest, liest sein Anbieter mit
Alles, was die Schnittstelle zurückgibt, geht an den Anbieter des Assistenten (Anthropic, OpenAI, Microsoft …). Das sind ausschliesslich öffentliche Daten — aber es ist gut, es zu wissen.
Adresse¶
https://<Adresse des Archivs>/api/mcp
Also zum Beispiel https://archiv.example.ch/api/mcp.
Einrichten¶
Claude (claude.ai und Claude Desktop)¶
Einstellungen → Connectors → Custom Connector hinzufügen, einen Namen vergeben (etwa den Archivnamen) und die Adresse eintragen. Eine Authentifizierung ist nicht einzurichten. Ob eigene Connectors zur Verfügung stehen, hängt vom Abo ab.
Claude Code¶
claude mcp add --transport http archiv https://archiv.example.ch/api/mcp
ChatGPT, Microsoft Copilot und andere¶
Jeder Assistent, der entfernte MCP-Server über «Streamable HTTP» und ohne Anmeldung einbinden kann, funktioniert. Wo die Einstellung liegt, ist je nach Produkt und Abo verschieden; massgeblich ist die Anleitung des Anbieters.
Was der Assistent damit tun kann¶
| Werkzeug | Zweck |
|---|---|
holdings_overview |
Welche Bestände gibt es? Archive, Bestandsgruppen und Bestände mit Signatur, Titel und Datierung |
search_records |
Suche in den Verzeichnungen — Titel, Textfelder, Akteur:innen, Orte, Schlagwörter |
search_media_texts |
Suche in den Volltexten der Digitalisate; liefert Textstellen rund um den Treffer |
read_record |
Ein Datensatz mit allen öffentlichen Feldern, verknüpften Normdaten und Dokumenten; den Volltext seitenweise |
navigate_tree |
Übergeordnete und untergeordnete Datensätze, Nachbarn |
lookup_authority |
Akteur:innen, Orte und Schlagwörter mit Normdatenverweisen (GND, Wikidata …) und den verknüpften Datensätzen |
Der Assistent wählt die Werkzeuge selbst. Man fragt einfach:
- «Was enthält das Archiv?»
- «Was hat die Maurmer Post über die Gründung des FC Maur berichtet? Zitiere die Stellen.»
- «Welche Unterlagen gibt es zum Bau des Schulhauses, und wo stehen sie im Bestand?»
Grenzen¶
- Suchbegriffe unter drei Buchstaben findet der Index schlecht. Abkürzungen am besten als Phrase und zusammen mit einem längeren Wort suchen lassen.
- Texterkennung (OCR) ist nicht fehlerfrei. Findet ein Wort nichts, hilft
oft ein Wortanfang mit
*oder eine andere Schreibweise. - Nur Lesen. Bestellen, Ändern oder Anlegen geht über die Schnittstelle nicht.
- Anzahl Anfragen: 60 pro Minute und Adresse. Eine Recherche braucht meist ein paar Dutzend.
Die Antworten des Assistenten bleiben seine eigenen. Was zählt, ist der verlinkte Datensatz — im Zweifel dort nachsehen.